Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….

Ich war mal bei einer Klassenfahrt in die Wälder des Hunsrück dabei. Ein Junge sagte: „Die Hose ist neu, die darf ich nicht dreckig machen!“. Bei einer Fahrt mitten in den Wald! So sind Eltern halt manchmal: Das Kind soll ordentlich angezogen sein!

Sinn der BYOD-Klasse ist es, bereits vorhandene Geräte für die Schule zu nutzen. Wenn nun mein Kind in der BYOD-Klasse wäre…würde ich extra ein neues Gerät besorgen? Nun, das Handy meines Sohnes ist „Einsteigerklasse“, wie es die Fachpresse wohl einstuft. Wäre ein größeres Display, ein zweiter Prozessorkern oder mehr Speicher nicht besser? Was, wenn alle anderen mit i-Dings oder Galaxy-sowieso auftrumpfen können? Soll er das „schlechteste“ Gerät in der Klasse haben? Werden die LuL dafür sorgen, dass der Preis des Geräts nicht zum Statussymbol wird? Oder werden Kinder mit den supertollen Alleskönner-Geräten sogar bevorzugt?

Solche Sorgen haben manche Eltern.

Sinn des Projekts ist es doch aber, die schon vorhandenen Geräte zu nutzen.

Mein Sohn ist schon eine Klasse weiter als die BYOD-Klasse, ich muss in dieser Hinsicht nix entscheiden.

 

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5 Gedanken zu “Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….

  1. Pingback: BYOD-Klasse oder integrierende Didaktik und Methodik? – Kommentar zu Manfred Korens „Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….“ | herrlarbig.de

  2. Ein paar Anmerkungen dazu aus (komplementärer?) Lehrersicht:

    Es ist in der Tat etwas, was wir jetzt bei Projektbeginn beobachten. Einige Schüler haben noch kein Gerät, weil das neu bestellte noch nicht eingetroffen. Aus Sicht der Schule ist kein „falsches Handeln“. Ich finde das durchaus nachvollziehbar und verständlich. Wichtig ist mir aber, dass wir als Schule mehrfach – mündlich wie schriftlich – deutlich gemacht haben, dass es ausdrücklich nicht nötig ist ein neues Gerät anzuschaffen.
    Was aufgrund der reinen Beobachtung, dass die SuS neue Geräte haben, nicht klar wird, ist u.a. die Frage, ob hinter der Anschaffung nicht weitere Gründe stehen. Es ist ja durchaus denkbar, dass einige Eltern bereits die Anschaffung eines Geräts in Aussicht gestellt hatten, dies aber nun schlicht vorgezogen haben, weil es in der Schule genutzt werden soll.
    Probleme von Gruppenzwang in bezug auf (Marken-) Produkte gibt es in Schule immer. Das war auch schon vor zwanzig Jahren so, als die Ranzen, Turnschuhe und Füller von einer bestimmten Marke sein mussten. Das gibt es selbst in Ländern mit Schuluniformen, wo die Distinktion dann über die Qualität, Marke und Preis der schwarzen, grauen oder blauen Hosen und Pullis markiert wird.
    Ganz verhindern kann man das in Schule vermutlich nicht. Mit dem BYOD-Projekt kommt aber auch kein neues Feld hinzu, weil die meisten Schüler in den weiterführenden Schule bereits Handys oder Smartphones haben und diese natürlich auch vergleichen, mit neuen Produkten angeben usw. Gerade deswegen ist wichtig, dass die Schule, bzw. die in der Klasse unterrichtenden Lehrkräfte, gegenüber Schüler wie Eltern immer wieder deutlich machen, dass es nicht die neuesten und besten Geräte braucht und es auch keine Bevorzugungen gibt.

    • Ja genau, alles richtig. Es ging mir nur darum Verständnis für Eltern zu wecken, die trotz Anschreiben und Informationsabend dennoch neue Geräte gekauft haben. Hier bin ich der Meinung, dass die Tatsache, dass manche Konzepte des Projekts von einigen Eltern nicht verstanden oder beherzigt wurden dazu führen sollte, darüber nachzudenken, ob eine noch engere Zusammenarbeit solche Missverständnisse (?) hätte verhindern können. Ich hatte den Elternbrief ja vorher gelesen und den Informationsabend fand ich auch gut, deshalb weiß ich im Moment nicht wie, aber vielleicht geht’s noch besser.
      Für das Eichendorff-Gymnasium wird das aber im Falle einer Wiederholung des Projekts keine große Rolle mehr spielen, da sich die Projektrealität rumsprechen wird und dann auch hoffentlich besser klar wird, dass die SuS ohne Bedenken die vorhandenen Geräte nutzen können.

  3. Befinde mich gerade auf der fortbildung „bildung in touch – digitale medien in schule und unterricht“ , und mir kam gedanke, dass der vorteil von byod gegenueber tablet-klassen vielleicht darin besteht, dass man sich weniger in die abhaengigkeit kommerzieller anbieter begibt (die diese veranstaltung nutzen, ihre geraete offensiv zu bewerben), da die nutzung der geraete so geplant werden muss, dass alle kinder mit ihren unterschiedlichen geraeten beteiligt werden koennen. Dennoch beschleicht einen hier ein ungutes gefuehl: anbieter der geraete und apps wollen dauerhaft kasse machen. Wird die nutzung in zukunft bezahlbar fuer alle? Wie lange bleiben irgendwelche apps kostenfrei? Fuehren wir die kinder in einem projekt wie diesem nicht noch mehr in eine technologische abhaengigkeit, die teilhabe an bildung, kultur etc in zukunft determiniert? Welchen beitrag kann das projekt leisten, die kinder dafuer zu sensibilisieren, ihre zunehmende abhaengigkeit von apple, samsung, microsoft und co zuerkennen?

    • Ja genau, eine der „Design“-Entscheidungen des Projekts war es ja die Geräte, die die SuS eh schon haben zu benutzen. Dann kann es keine Festlegung auf einen Hersteller, ein BS oder einen Gerätetypus geben. Die Realität, dass viele SuS ein Gerät haben ist von der Schule unabhängig, jetzt sollen die Einsatzmöglichkeiten getestet werden. Sollten in Zukunft die SuS solche Geräte gar nicht mehr besitzen, dann ist das Projekt hinfällig. Dann muss man sich den neuen Gegebenheiten anpassen.
      Es sollen technisch-gesellschaftliche Entwicklungen erkannt und genutzt werden.
      Dass solche Entwicklungen auch Gefahren mit sich führen können, ist sicherlich richtig. An eine Abhängigkeit von bestimmten Hardware oder Softwareanbietern glaube ich weniger, gerade die Opensource- Entwicklungen zeigen, was ohne große Firmen möglich ist. Zur Zeit wenigstens.
      Aber natürlich müssen die SuS hier sensibilisiert werden. Auf z.B Facebook zu bleiben, egal welche Bedingungen in Zukunft bestehen, wäre sicher nicht klug.
      Der Zugang zu Bildung und Kultur ist auch jetzt schon weitgehend kommerziell. Schulbuchverlage verdienen ja auch Geld und die Zahl der Verlage wird immer kleiner. Ich glaube, dass das vergleichsweise preiswerte Internet hier gerade für weniger betuchte einen guten Zugang ermöglicht. Eine allgemeingesellschaftliche Aufgabe bleibt, hier allen den Zugang auch zu ermöglichen.

      Den Schülern beizubringen gesellschaftliche Entwicklung zu untersuchen und Abhängigkeiten erkennen zu können war schon immer die Aufgabe der Schule. Auch ohne Computer und Internet.

      Wie schrieb der Computerkritiker Weizenbaum:
      „Die höchste Priorität der Schule ist es, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen, sodass sie sich klar und deutlich artikulieren können: in ihrer stillen Gedankenwelt ebenso wie mündlich und schriftlich. Wenn sie das können, dann können sie auch kritisch denken und die Signale, mit denen sie ihre Welt überflutet, kritisch interpretieren. Wenn sie das nicht können, dann werden sie ihr ganzes Leben lang Opfer der Klischees und Schablonen sein, die die Massenmedien ausschütten“

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