BYOD, viele Fragen und Diskussionsbedarf

Kommentar zum Beitrag von Herrn Larbig:

Zunächst einmal vielen Dank für deine kritischen Anmerkungen. Wie bereits auf Twitter geschrieben finde ich Kritik hilfreich, weil sie einen dazu bringt, die getroffenen Entscheidungen und Setzungen zu überdenken, zu begründen oder zu korrigieren. Nichtsdestotrotz würde ich gerne ein paar von dir genannten Punkte kommentieren.

Zunächst einmal geht es in unserem BYOD-Projekt nicht um Technik als Ziel, sondern als Ausgangsbasis. Wir gehen davon aus, dass die fast Vollversorgung mit einem leistungsfähigen Computer in Form eines Smartphones bei Schülern der weiterführenden Schulen in den nächsten Jahren erreicht sein wird. Unsere Frage ist: Lassen sich diese Geräte didaktisch und methodisch sinnvoll in den Unterricht als Lernwerkzeuge integrieren? Falls ja, wie? Und wie nicht?

Aktuell beobachte ich in meinen Kursen in der Oberstufe eine Ausstattung vielleicht eines Drittels der Schüler, in den unteren Jahrgangsstufen liegt er bereits bei 50% und mehr. Ich denke, daran zeigt sich der vermutete Trend. Sollte das in Zukunft so sein, dass (fast) alle Schüler ein Smartphone besitzen und sich diese als taugliche Lernwerkzeuge erweisen, stellt sich die Frage, wie man den Schülern helfen kann, die sich ein solches Gerät nicht leisten könnten. Das ist eine soziale Frage. Hier kann man ähnliche Lösungen finden, wie es sie jetzt für Bücher, Taschenrechner oder Klassenfahrten gibt.

Natürlich erlaube ich auch in anderen Klassen und Kursen den Einsatz vorhandener Geräte. Nach Doebelis Übersicht von gestern „reines“ BYOD, also das eigentliche, echte, was ja auch in deinem Bericht durchklingt und mir persönlich angesichts einer nicht existenten allgemeinen Definition zu negativ tendenziös gegenüber anderen Lösungen ist. Nach meiner Erfahrung ist das Erlauben des Nutzens eigener Geräte keineswegs so positiv, wie von dir beschrieben. Auch wenn die analoge Arbeit gleichwertig ist, haben die Schüler ohne Gerät ja nicht die Wahl, wie sie arbeiten. Auch wenn du es auf den Willen der Eltern und Schüler wendest (was es selbstverständlich auch gibt), so findet hier in der Lerngruppe ein Ausschluss statt und ich habe es auch schon erlebt, dass sich Schüler beschweren, dass die Geräte zugelassen werden, weil sie darin eine Benachteiligung für sich sehen. Ich kann das verstehen. Probleme in bezug auf (Marken-) Produkte als Statussymbole gibt es in Schule immer und in vielen Bereichen (vom Schreibgerät bis zu den Turnschuhen). Es ist nur eine Vermutung, ich könnte mir aber vorstellen, dass er in bezug auf mobile Endgeräte in Schulen, wo „Handys“ ganz verboten sind und in „reinen BYOD“ Klassen innerhalb der Lerngruppen sehr stark ist.

In unserem BYOD-Projekt greifen wir also (ausnahmsweise, als Projekt) künstlich ein paar Jahre vor und simulieren in einer normal zusammengesetzen Lerngruppe eine Vollausstattung mit mobilen Geräten. Vielleicht ist der Hinweis noch wichtig, dass die Zusammensetzung der Schüler nicht durch eine Bewerbung oder aufgrund bestimmter Geräte erfolgte, sondern grundsätzlich nach den normalen Regeln für die Neuzusammensetzung der 7. Klassen mit dem einzigen Unterschied, dass Eltern nach ausführlicher Vorstellung des Projekts ausschließen konnten, dass ihr Kind in die Projektklasse kommt (ca. 30 von 90 haben das dann übrigens ausgeschlossen). Ist das dann kein „reines“ BYOD mehr, sondern „obligatorisches“? (Nur zur Klärung: ich finde, den Versuch der Klärung sehr hilfreich, nur die gewählten Begriffe finde ich etwas unglücklich.) Wenn ich mobile Geräte als Lernwerkzeuge ansehe, dann erhalten sie denselben Status wie Schulhefte und Bücher, übernehmen in Teilen deren Funktion. Und dann muss ich sie genauso selbstverständlich zur Schule mitbringen und dort nutzen wie eben die Schulbücher.

Ich glaube, dass es wesentliche Unterschiede gibt, BYOD als Einzelkämpfer in seinen Lerngruppen zu erlauben und zu erproben, oder sich als Schule konzeptionell auf den Weg zu machen. Das habe ich an anderer Stelle schon einmal ausführlicher dargelegt und brauche es deshalb hier nicht zu wiederholen. Meiner Meinung nach bedarf es auf schulischer Ebene der Diskussion, eines Austauschs, der Schaffung einer notwendigen Infrastruktur und Vereinbarungen, um digitales Arbeiten zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

Zu deiner Kritik an der Nutzung von edmodo noch eine abschließende Bemerkung: Natürlich ist es gut lokale, regionale oder nationale Lösungen zu nutzen. Edmodo als US-amerikanisches Produkt anzuprangern, ohne sich das Angebot näher anzuschauen, ist ein wenig kurz geschossen.  Wenn du vorweg alle Internetseiten, Angebote und Apps ausschließt, die aus den USA kommen, bleibt zur Zeit nicht viel übrig. Es wäre schön, da näher hinzuschauen und zu differenzieren.

P.S. Es gibt in RLP sowohl Lernplattformen als Landeslösungen als auch lokale Angebote. Da wir aber eine Mehrheit von Smartphone-Nutzern in der Klasse haben, muss jedes Angebot, das wir nutzen wollen für die relativ kleinen Bildschirme optimiert sein. Das ist bei den Landeslösungen leider nicht gegeben. Die Angebote jedes Mal über eine Browser auf dem Minibildschirm aufzurufen, ist auf Dauer nicht praktikabel. Im übrigen ist das Nutzen verschiedener Anwendungen und Apps in der Schule immer auch der Anlass die damit verbundenen Probleme zu thematisieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s