Präsentation des Projekts auf dem GMK Forum 2013

Hier die Folien der Präsentation vom Samstag im Workshop „Tablet & co. in der Schule“ auf dem 30. Forum Kommunikationskultur der GMK.

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Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Medien im Geschichtsunterricht

Wollen wir den potentiellen Koalitionären von Union und SPD guten Willen und vielleicht sogar die überraschend gereifte Erkenntnis zugestehen, dass digitalen Medien und insbesondere individuellen mobilen Endgeräten für das Lernen in der heutigen Welt wie für die Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Der Gedanke, dass es sich hier nicht mehr nur um „Empfangsgeräte“ zur „Vermittlung von Inhalten“, sondern um die zentralen „Kulturpartizipationsgeräte“ handelt, scheint mir keineswegs abwegig und unterstreicht ihre Bedeutung.

Selbst wenn man davon absieht, dass es sich bei der Ankündigung vermutlich um nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis handelt, da der „Finanzierungsvorbehalt“ – von vielen in den sozialen Netzwerken schon als (Un-) Wort des Jahres 2014 vorgeschlagen – gleich mit benannt wird, der sich für mich so liest: „Schöne Idee, dafür werden uns viele mögen, aber das machen wir eh nicht.“ Also selbst wenn man davon absieht und guten Willen unterstellt, scheint die groß angekündigte und öffentlichkeitswirksame Ankündigung…

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BYOD und Klassenrat

Bei der Diskussion um die Arbeit mit digitalen Medien und das Zulassens eigener Geräten der Schülerinnen und Schüler geht es oft um Kontrollverlust. Dieser wird nicht immer explizit genannt, spielt aber zumindest implizit immer eine Rolle. Der bei vielen Lehrkräften dahinter stehenden Kontrollwunsch verweist allerdings immer auch auf einen Mangel an Vertrauen. Oder um es positiv zu wenden: Um die eigenen digitalen Endgeräte der Schülerinnen und Schüler im Unterricht zuzulassen, ist Vertrauen ebenso wie Begleitung notwendig.

Ein weitgehend verantwortlicher und sinnvoller Umgang mit dem eigenen Endgerät im schulischen Rahmen durch die Schülerinnen und Schüler ist genau das, was wir in den ersten Wochen des BYOD-Projekts an unserer Schule erlebt haben, deren Bilanz abgesehen von den Problemen mit der Bereitstellung des Wlans überaus positiv ausfällt. Natürlich gilt aber auch für die Nutzung der eigenen Geräte, wie für alles andere in der Schule auch, ein (gesetzter oder besser: vereinbarter) Rahmen, bei dessen Überschreitung Konsequenzen erforderlich sind.

Das ist für Schule gar nicht so ungewöhnlich, sondern eher der Normalzustand. Es muss allerdings überraschen, wie schwer sie sich tut, digitale Endgeräte der Schülerinnen und Schüler als Lernwerkzeuge oder, wie jemand vor einem halben Jahr mal auf einer Tagung sagte, als „Kulturzugangs- und partizipationsgeräte“ zuzulassen. Vermutlich ist es für als Kontrollinstanzen beruflich sozialisierte Lehrkräfte zunächst befremdlich, die Bildschirme der Schülergeräte nicht einsehen zu können. Es braucht neben Vertrauen auch Verantwortung und Regeln. Hier kommen die Demokratiepädagogik und der Klassenrat ins Spiel. Soweit ich das überblicke, ist der meines Erachtens recht naheliegende Zusammenhang von beiden Ansätzen bislang noch nicht benannt worden.

Klassenrat und BYOD verfolgen in einem zentralen Bereich eine grundlegend ähnliche Zielsetzung: den Schülerinnen und Schülern Kommunikations- und Handlungsräume zu öffnen und ihnen damit gemeinsam Verantwortung für die Gestaltung von Lernen, Schule und Gemeinschaft zu übernehmen. Es geht um eine Demokratisierung von Schule. In der Diskussion über neues Lernen mit Medien ist von einem Wandel des Lehrer zu einem Lernberater die Rede. Das heißt keineswegs, dass die Lernenden allein gelassen werden, vielmehr ist dieser Rollenwechsel mit dem im Klassenrat weitgehend vergleichbar. Vielleicht kann der Vergleich mit dem weiter verbreiteten Klassenrat sogar helfen, Missverständnisse bezüglich der Lehrerrolle als Berater abzubauen.

Wer den BYOD-Ansatz ernst nimmt, muss auf allen Ebenen, methodisch, didaktisch wie auch organisatorisch, von einer lehrerzentrierten Gestaltung Abstand nehmen. Die Einführung eines Klassenrats, sofern nicht bereits vorhanden, ergänzt den schulischen BYOD-Ansatz und stellt ein notwendiges Instrumentarium zur Verfügung, um Vereinbarungen zu treffen, auftretende Probleme und Konflikte zu besprechen. Umgekehrt kann die Nutzung digitaler Endgeräte durch andere Formen von Kommunikation, Austausch, Zusammenarbeit und Informationszugang etablierte demokratische Strukturen in Klassen und Schule unterstützen und erweitern.

Die hier kurz skizzierten Gedanken könnten und müssten sicher noch präzisiert, ausgeführt und theoretisch unterfüttert werden, sollen aber zunächst einmal als Momentaufnahme und kurzer Diskussionsimpuls hier im Blog stehen.