Smartphones in der Schule = kranke Kommunikation?

Bildung, Netz & Politik

Klar! Wer herausfindet, dass Smartphones den schulischen Leistungen schaden, der schlägt mediale Wellen. „Handy-Verbot macht die Schüler besser“ – eine klasse Schlagzeile! Endlich ist es wissenschaftlich belegt. Gewusst haben wir das ja schon immer.

Nun ja… die Studie mit dem Titel „Ill communication: Technology, Distraction & Student
Performance“ zweier Forschern der London School of 1428425476Economics ist hier als PDF abrufbar. Als einer der ersten hatte der Guardian über die Studie berichtet. Zusammenfassungen findet man mittlerweile auch auf Deutsch in den Berichten z.B. der Berliner Morgenpost, bei heise.de oder dem kritischen Beitrag von Herrn Larbig.

Es lohnt sich in der Tat genau hinzuschauen, was in dieser Studie untersucht wurde, um zu sehen, welche Aussagekraft sie besitzt. So wurden in mehreren englischen Schulen Testergebnisse von Schülern verglichen vor und nach einem generellen Handyverbot.

Berücksichtigt wurde also nicht das Lernen mit digitalen Endgeräten, sondern es wurden nur Testleistungen…

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Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Medien im Geschichtsunterricht

Wollen wir den potentiellen Koalitionären von Union und SPD guten Willen und vielleicht sogar die überraschend gereifte Erkenntnis zugestehen, dass digitalen Medien und insbesondere individuellen mobilen Endgeräten für das Lernen in der heutigen Welt wie für die Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Der Gedanke, dass es sich hier nicht mehr nur um „Empfangsgeräte“ zur „Vermittlung von Inhalten“, sondern um die zentralen „Kulturpartizipationsgeräte“ handelt, scheint mir keineswegs abwegig und unterstreicht ihre Bedeutung.

Selbst wenn man davon absieht, dass es sich bei der Ankündigung vermutlich um nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis handelt, da der „Finanzierungsvorbehalt“ – von vielen in den sozialen Netzwerken schon als (Un-) Wort des Jahres 2014 vorgeschlagen – gleich mit benannt wird, der sich für mich so liest: „Schöne Idee, dafür werden uns viele mögen, aber das machen wir eh nicht.“ Also selbst wenn man davon absieht und guten Willen unterstellt, scheint die groß angekündigte und öffentlichkeitswirksame Ankündigung…

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Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….

Ich war mal bei einer Klassenfahrt in die Wälder des Hunsrück dabei. Ein Junge sagte: „Die Hose ist neu, die darf ich nicht dreckig machen!“. Bei einer Fahrt mitten in den Wald! So sind Eltern halt manchmal: Das Kind soll ordentlich angezogen sein!

Sinn der BYOD-Klasse ist es, bereits vorhandene Geräte für die Schule zu nutzen. Wenn nun mein Kind in der BYOD-Klasse wäre…würde ich extra ein neues Gerät besorgen? Nun, das Handy meines Sohnes ist „Einsteigerklasse“, wie es die Fachpresse wohl einstuft. Wäre ein größeres Display, ein zweiter Prozessorkern oder mehr Speicher nicht besser? Was, wenn alle anderen mit i-Dings oder Galaxy-sowieso auftrumpfen können? Soll er das „schlechteste“ Gerät in der Klasse haben? Werden die LuL dafür sorgen, dass der Preis des Geräts nicht zum Statussymbol wird? Oder werden Kinder mit den supertollen Alleskönner-Geräten sogar bevorzugt?

Solche Sorgen haben manche Eltern.

Sinn des Projekts ist es doch aber, die schon vorhandenen Geräte zu nutzen.

Mein Sohn ist schon eine Klasse weiter als die BYOD-Klasse, ich muss in dieser Hinsicht nix entscheiden.

 

BYOD- nur für Reiche?

Im Rahmen der Planung des BYOD-Projekts habe ich viele andere Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte (auch LuL) angesprochen, um zu erfahren, wie ein solches Projekt auf Außenstehende wirkt und welche Vorstellungen damit verbunden werden. Meist erfuhr ich Gleichgültigkeit, manchmal milde Unterstützung, aber auch schroffe Ablehnung. Die Argumente für die Ablehnung waren einfach: Hier werden Reiche bevorzugt und ärmere SuS benachteiligt.

Stimmt das denn?

Im vorliegenden Projekt gibt es keine „Untergrenze‘ für die mitzubringenden Geräte. Internetfähig soll es sein, Texte soll man lesen und schreiben können, eine Kamera wäre nicht schlecht.

Wie sieht es mit der vorhandene Ausstattung der SuS tatsächlich aus? Die „JIM- Studie 2012“  bietet Anhaltspunkte: Fast alle SuS haben ein Handy. Der Anteil der Smartphones hieran steigt rasant. Auch die Verkaufszahlen  deuten auf die massenhafte Verbreitung der Smartphones hin: in den Jahren 2011-2013 werden in Deutschland demnach 60 Millionen Geräte verkauft, und das bei 40 Millionen Haushalten. Da werden auch viele SuS neue Geräte bekommen.

Interessanterweise belegt die JIM Studie, dass z.B Hauptschüler tendenziell leicht besser ausgestattet sind als Gymnasiasten. Da es in Deutschland hier -leider- eine eindeutige Korrelation zum Einkommen der Eltern gibt, so scheint es zumindest in diesem Punkt keine sozialen Unterschiede zu geben. Das erscheint mir gar nicht so unlogisch: Smartphones ersetzen Handy, Fotoapparat, MP3-Spieler, PSP oder Nintendo – also Geräte die alle noch vor kurzem auf dem Wunschzettel der SuS waren – zu einem günstigeren Preis. Mein persönliches Smartphone kostete z.B. 100€.

Hier zeigt sich ein wesentlicher Vorteil unseres BYOD-Projekts gegenüber I-Pad- oder Notebook-Klasse: es ist viel billiger. Deshalb haben viel mehr SuS eigene, geeignete Geräte.

Wenn sich aber trotzdem jemand kein Gerät leisten kann?

Dann muss in der Tat etwas getan werden! Für einen zunächst einmaligen Testdurchlauf haben wir uns entschlossen nur SuS mit eigenem Endgerät zuzulassen. Das halte ich durchaus für erträglich. Man weiß schließlich nicht, ob der Test erfolgreich verläuft.

Selbstverständlich ist die BYOD-AG dabei, sich Gedanken zu machen, wie ein sozialer Ausgeich aussehen könnte:
– Finanzierungshilfe durch Förderverein (z.B. 0% Darlehen)
– Anschaffung von Geräte und Ausleihe durch Schule oder Förderverein
– Zuschüsse zur Anschaffung als Arbeitsmittel durch Förderverein, Stadt, Land
– Sammelbestellungen/Leasing-Verträge mit Sonderkonditionen für Bildungseinrichtungen
– Mithilfe durch soziale Einrichtungen z.B. Koblenzer Bürgerstiftung
– Sponsoring durch Firmen / Privatpersonen
Hier sollte m.E. nach Hartz 4 Empfängern und sonstigen unterschieden werden.

Aber vielleicht gibt es in zwei Jahren überhaupt keine SuS mehr ohne digitale Endgeräte?

„Schummelwerkzeug“ oder Lernwerkzeug?

Schummeln 2.0: Wie gut sind unsere Schulen gerüstet? so lautete der Titel eines Artikels in der Rheinzeitung, der mich ärgerte.

Deshalb habe ich einen Leserbrief geschrieben der -leicht gekürzt- am 25.6.2013 so erschien:

„Geräte sinnvoll einsetzen“

Wie wäre es mit einem Artikel „Lernen 2.0: Wie gut sind unsere Schulen gerüstet“? Tatsächlich sind diese neuen Handys mobile Computer mit unzähligen Funktionen: Taschenrechner, Duden, Enzyklopädie, Wörterbuch, Formelsammlung, Fotoapparat, Diktiergerät usw. Warum werden sie in erster Linie als „Schummelwerkzeuge“ und nicht als Lernwerkzeuge betrachtet? Sind die sich ergebenden Chancen bei sinnvoller Nutzung nicht viel größer als die Gefahren? Wenn die Schüler solche Geräte eh schon besitzen, dann sollten sie ermutigt werden, ihre persönliche Lernumgebung zu erweitern: nicht nur chatten und spielen, sondern auch Vokabeln üben und im Lexikon nachschlagen. Ich halte es für sinnvoll, wenn Schüler erfahren, wie sie solche Geräte auch für den Unterricht und für ihr eigenes lebenslanges Lernen einsetzen können. Dies muss natürlich geregelt geschehen, damit sie lernen, die Geräte verantwortungsvoll effizient und sinnvoll einzusetzen. Im „realen Leben“ ist das Internet als Mittel der Informationsgewinnung und -verteilung schon jetzt nicht mehr wegzudenken, und die Bedeutung mobiler Endgeräte wächst rapide. Hier könnten Schulen technisch-gesellschaftliche Entwicklungen kritisch begleiten und nicht in zehn Jahren merken, dass sich „draußen“ etwas getan hat.

Manfred Koren, Koblenz

P.S.: mein P.S. wurde von der Zeitung gestrichen:

Täuschungsversuche sind laut übergreifender Schulordnung nur in „schweren Fällen“ mit einer Sechs zu bestrafen.