Fachtagung: Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

Am  25.9.2014 fandan der Universität Duisburg – Essen zum Abschluss des Projektes School IT Rhein Waal die Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ statt.  Die Tagungsbeiträge sind als Videos abrufbar, zu den Workshops gibt es auch eine Dokumentation. Die komplette Tagungsdokumentation findet sich auf den Seiten der Mediendidaktik der Uni Duisburg-Essen und ist sehenswert für alle, die vor Ort nicht dabei sein konnten und die das Thema BYOD umtreibt.

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BYOD als Vorbereitung auf die Uni?

Bundesarchiv, Bild 183-48793-0001 / CC-BY-SA

Bundesarchiv, Bild 183-48793-0001 / CC-BY-SA

Christoph Pallaske weist in einer Fußnote zu seinem Beitrag „Medienwandel | Perspektiven für den Geschichtsunterricht | Teil 1 | Das Schulbuch auf der Roten Liste analoger Arten?“ darauf hin, dass an den Universitäten ohne, dass das so benannt würde, de facto BYOD praktiziert wird:

Die Studierenden bringen ihre Geräte mit, die Uni stellt eine Wlan und Beamer die notwendige Infrastruktur.

Wäre also BYOD in der Schule, dann die entsprechende Vorbereitung auf das Arbeiten an der Universität?

Wer sein eigenes Gerät nutzt statt zeitweise zur Verfügung stehender (schulischer) Rechner kann sich eine ganz andere persönliche Lernumgebung (PLE) zusammenstellen und damit dauerhaft arbeiten. Diese PLE kann, sofern sie nicht ausschließlich auf einer institutionell gebundenen Lernplattform besteht, auch nach dem Abitur weiter genutzt und ausgebaut werden. Das Anlegen und Nutzen einer persönlichen Lernumgebung und eines entsprechenden Netzwerks (PLN)  würde demnach zu einer langfristigen Querschnittsaufgabe von Schule und zu einer wesentliche Grundlage für lebenslanges Lernen.

BYOD aus Schülersicht

Beitrag von Justus aus der Klasse 7c

BYOD steht für Bring Your Own Device, also „Bring dein eigenes Gerät mit“. Unter „Gerät“ sind dabei vor allem Tablets zu verstehen, möglich sind aber auch Smartphones und Laptops. Es ist ein wichtiges Ziel des BYOD-Projekts, im Unterricht, für die Hausaufgaben und für die Kommunikation in der Klasse die Möglichkeiten dieser Geräte sinnvoll zu nutzen.

Kurz zur Technik: Das Betriebssystem ist egal, Android, Apple iOS oder Windows, alles geht. Die Hauptsache ist, dass man Programme herunterladen kann. Das sind z.B. Apps wie ein Hausaufgabenheft oder ein Vokabel-Trainer.

Ein kurioses Gerücht über die BYOD-Klasse besagt, dass wir keine Schulbücher hätten. Das stimmt nicht, denn wir haben die gleichen Bücher, Arbeitshefte usw. wie die anderen 7. Klassen auch, und wir benutzen sie auch. Ich wurde auch schon darauf angesprochen, ob man denn in den Pausen spielen darf. Das möchte ich hier mal richtig stellen: Für uns gilt die Handy-Regelung genauso wie für alle anderen Schüler. Wir dürfen die Geräte nur benutzen, wenn die Lehrerin oder der Lehrer uns die Erlaubnis erteilt. Das heißt, wir dürfen nicht zocken oder Musik hören oder irgendetwas anderes, das nichts mit der Schule zu tun hat.

Aber einiges ist bei uns doch anders, hier ein paar Beispiele: Wir benutzen eine Plattform, genannt edmodo. Die funktioniert so ähnlich wie facebook, aber nur die Schüler und Lehrer der Klasse tauschen dort Informationen aus. Manche Lehrer geben uns Informationen über edmodo, z.B. posten sie Links zu interessanten Internet-Seiten. Einige Hausaufgaben schreiben wir nicht in unser Heft, sondern benutzen eine App zum Schreiben oder z.B. für eine Mind Map. Dann posten wir unsere Ergebnisse auf diese Plattform, so dass der Lehrer und die Mitschüler sehen können, was wir gemacht haben. An Stelle eines Taschenrechners benutzen wir unsere Geräte, und für bestimmte Mathe-Aufgaben eine spezielle App.

Wir Schüler nutzen edmodo häufig, um Fragen zu stellen (Was war Hausaufgabe?) oder Dinge zu erklären. Das geht oft besser, als wenn man versucht, seine Mitschüler telefonisch zu erreichen. Auch die Eltern bekommen manchmal Informationen auf diesem Weg.

Leider stoßen wir auf technische Probleme: Zum Herunterladen der Apps und für die Kommunikation braucht man natürlich eine Internet-Verbindung, und wer schon etwas länger auf unserer Schule ist, der weiß, dass dieses Thema bei uns problematisch ist. Bis heute war es leider nicht möglich, ein stabiles Netz für unsere Geräte und das Whiteboard auf die Beine zu stellen. Also muss man zu Hause im WLAN seine Software laden oder man hat einen Vertrag mit Internet-Flat, aber das ist nicht bei jedem der Fall.

Ich hoffe, dass ich die wichtigsten Punkte zu BYOD erklären und ein paar Vorurteile ausräumen konnte.

BYOD und Klassenrat

Bei der Diskussion um die Arbeit mit digitalen Medien und das Zulassens eigener Geräten der Schülerinnen und Schüler geht es oft um Kontrollverlust. Dieser wird nicht immer explizit genannt, spielt aber zumindest implizit immer eine Rolle. Der bei vielen Lehrkräften dahinter stehenden Kontrollwunsch verweist allerdings immer auch auf einen Mangel an Vertrauen. Oder um es positiv zu wenden: Um die eigenen digitalen Endgeräte der Schülerinnen und Schüler im Unterricht zuzulassen, ist Vertrauen ebenso wie Begleitung notwendig.

Ein weitgehend verantwortlicher und sinnvoller Umgang mit dem eigenen Endgerät im schulischen Rahmen durch die Schülerinnen und Schüler ist genau das, was wir in den ersten Wochen des BYOD-Projekts an unserer Schule erlebt haben, deren Bilanz abgesehen von den Problemen mit der Bereitstellung des Wlans überaus positiv ausfällt. Natürlich gilt aber auch für die Nutzung der eigenen Geräte, wie für alles andere in der Schule auch, ein (gesetzter oder besser: vereinbarter) Rahmen, bei dessen Überschreitung Konsequenzen erforderlich sind.

Das ist für Schule gar nicht so ungewöhnlich, sondern eher der Normalzustand. Es muss allerdings überraschen, wie schwer sie sich tut, digitale Endgeräte der Schülerinnen und Schüler als Lernwerkzeuge oder, wie jemand vor einem halben Jahr mal auf einer Tagung sagte, als „Kulturzugangs- und partizipationsgeräte“ zuzulassen. Vermutlich ist es für als Kontrollinstanzen beruflich sozialisierte Lehrkräfte zunächst befremdlich, die Bildschirme der Schülergeräte nicht einsehen zu können. Es braucht neben Vertrauen auch Verantwortung und Regeln. Hier kommen die Demokratiepädagogik und der Klassenrat ins Spiel. Soweit ich das überblicke, ist der meines Erachtens recht naheliegende Zusammenhang von beiden Ansätzen bislang noch nicht benannt worden.

Klassenrat und BYOD verfolgen in einem zentralen Bereich eine grundlegend ähnliche Zielsetzung: den Schülerinnen und Schülern Kommunikations- und Handlungsräume zu öffnen und ihnen damit gemeinsam Verantwortung für die Gestaltung von Lernen, Schule und Gemeinschaft zu übernehmen. Es geht um eine Demokratisierung von Schule. In der Diskussion über neues Lernen mit Medien ist von einem Wandel des Lehrer zu einem Lernberater die Rede. Das heißt keineswegs, dass die Lernenden allein gelassen werden, vielmehr ist dieser Rollenwechsel mit dem im Klassenrat weitgehend vergleichbar. Vielleicht kann der Vergleich mit dem weiter verbreiteten Klassenrat sogar helfen, Missverständnisse bezüglich der Lehrerrolle als Berater abzubauen.

Wer den BYOD-Ansatz ernst nimmt, muss auf allen Ebenen, methodisch, didaktisch wie auch organisatorisch, von einer lehrerzentrierten Gestaltung Abstand nehmen. Die Einführung eines Klassenrats, sofern nicht bereits vorhanden, ergänzt den schulischen BYOD-Ansatz und stellt ein notwendiges Instrumentarium zur Verfügung, um Vereinbarungen zu treffen, auftretende Probleme und Konflikte zu besprechen. Umgekehrt kann die Nutzung digitaler Endgeräte durch andere Formen von Kommunikation, Austausch, Zusammenarbeit und Informationszugang etablierte demokratische Strukturen in Klassen und Schule unterstützen und erweitern.

Die hier kurz skizzierten Gedanken könnten und müssten sicher noch präzisiert, ausgeführt und theoretisch unterfüttert werden, sollen aber zunächst einmal als Momentaufnahme und kurzer Diskussionsimpuls hier im Blog stehen.

BYOD & ITG: Medienbildung im Geschichtsunterricht

ITG steht für „Informationstechnische Grundbildung“. Diese kann am Gymnasium integrativ in verschiedenen Fächern erfolgen. Viele Schulen haben freiwillig aber auch in einer Jahrgangsstufe ITG als einstündiges Fach in den Stundenplan integriert. Das war bisher am Eichendorff in der 8. bzw. 7. Klasse der Fall. Angesichts des knappen Personalstands wurden für das heute startende SchulJahr allerdings alle freiwilligen Angebote, darunter dann eben auch ITG, gestrichen.

In Absprache mit der Schulleitung wurde für die BYOD-Klasse eine Sonderregelung gefunden. Davon ausgehend, dass gerade in dieser Klasse neben Klassenleitung und Fachunterricht zusätzlliche Zeit vorhanden sein muss, um auch grundlegende Anwendungsinhalte in der Arbeit mit den mobilen Geräten zu thematisieren.

Als Lösung wurde der in der Klasse 7 eigentlich einstündige Geschichtsunterricht auf zwei Stunden erweitert mit der Vorgabe in der zweiten Stunde Inhalte des ITG-Unterrichts aufzugreifen bzw. integrativ in den Fachunterricht einzubinden. Damit ist für die Klasse eine Art Leitfach für die Arbeit mit den Geräten geschaffen, wobei die übrigen Fächer Teilbereiche des Umgangs und der Arbeit mit digitalen Endgeräten situations- und fachbezogen wie auch als durchgehende Themen aufgreifen werden.

Das Konzept sei hier kurz in Stichworten wiedergegeben. Die Aufstellung zeigt das hohe Potential für praxisorientierte Medienbildung, das im Geschichtsunterricht gegeben ist, sofern entsprechende zeitliche Freiräume gegeben sind. Als gemeinsame Plattform für die Kommunikation, den Austausch von Dokumenten usw. haben wir uns übrigens für das bisher an der Schule nicht verwendete edmodo, besonders auch aufgrund der guten Handhabung über die App für mobile Geräten, entschieden. Wir hoffen, dass die Plattform im Gebrauch ab der nächsten Woche ihren guten Eindruck im Praxistext bestätigt.

ITG integrativ im Geschichtsunterricht: Klassenstufe 7

1. Woche Einführung edmodo / Anmeldungen Schulnetzwerk (Passwörter)

2./3. Woche Ausgabe IWB-Software ActivInspire -> Einführung in Nutzung

Thema Steinzeit: Plakate erstellen mit kleinen Info-Texten -> Dateiformate (.doc, .odt, .pdf) und Formatierung mit einem Textverarbeitungsprogramm

Thema Altes Ägypten: Internetrecherche, Arbeiten mit digitalen Karten wie z.B. Google Maps/Earth, Einführung in das Erstellen digitaler Zeitleisten, Erstellen von Steckbriefen mit einem Textverarbeitungsprogramm (Wiederholung/Vertiefung Formatierung), Online-Filme zur Information nutzen und mit Hilfe eines Notizsystems

Thema Antikes Griechenland: Kurzvorträge Einführung Powerpoint und Prezi, Aufbau und Gestaltung von Präsentationen

Thema Römische Antike oder Mittelalter: Reisegeschwindigkeiten / Entfernungen / Bevölkerungsstatistik -> Einführung Excel

Thema Römische Antike oder Mittelalter: Einführung in Audio- oder Videoarbeit -> Erstellen eines Stadtrundgangs durch das römische/mittelalterliche Koblenz (Vertiefung Arbeit mit digitalen Karten: Anlegen eigener Karten)

Durchgehende Querschnittsaufgaben für alle Fächer, u.a.:  Datenschutz, Gerätesicherheit, Online-Lexika: Nutzung, Vergleich, Beurteilung, Aufbau persönlicher Lernumgebungen (PLE)

BYOD- nur für Reiche?

Im Rahmen der Planung des BYOD-Projekts habe ich viele andere Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte (auch LuL) angesprochen, um zu erfahren, wie ein solches Projekt auf Außenstehende wirkt und welche Vorstellungen damit verbunden werden. Meist erfuhr ich Gleichgültigkeit, manchmal milde Unterstützung, aber auch schroffe Ablehnung. Die Argumente für die Ablehnung waren einfach: Hier werden Reiche bevorzugt und ärmere SuS benachteiligt.

Stimmt das denn?

Im vorliegenden Projekt gibt es keine „Untergrenze‘ für die mitzubringenden Geräte. Internetfähig soll es sein, Texte soll man lesen und schreiben können, eine Kamera wäre nicht schlecht.

Wie sieht es mit der vorhandene Ausstattung der SuS tatsächlich aus? Die „JIM- Studie 2012“  bietet Anhaltspunkte: Fast alle SuS haben ein Handy. Der Anteil der Smartphones hieran steigt rasant. Auch die Verkaufszahlen  deuten auf die massenhafte Verbreitung der Smartphones hin: in den Jahren 2011-2013 werden in Deutschland demnach 60 Millionen Geräte verkauft, und das bei 40 Millionen Haushalten. Da werden auch viele SuS neue Geräte bekommen.

Interessanterweise belegt die JIM Studie, dass z.B Hauptschüler tendenziell leicht besser ausgestattet sind als Gymnasiasten. Da es in Deutschland hier -leider- eine eindeutige Korrelation zum Einkommen der Eltern gibt, so scheint es zumindest in diesem Punkt keine sozialen Unterschiede zu geben. Das erscheint mir gar nicht so unlogisch: Smartphones ersetzen Handy, Fotoapparat, MP3-Spieler, PSP oder Nintendo – also Geräte die alle noch vor kurzem auf dem Wunschzettel der SuS waren – zu einem günstigeren Preis. Mein persönliches Smartphone kostete z.B. 100€.

Hier zeigt sich ein wesentlicher Vorteil unseres BYOD-Projekts gegenüber I-Pad- oder Notebook-Klasse: es ist viel billiger. Deshalb haben viel mehr SuS eigene, geeignete Geräte.

Wenn sich aber trotzdem jemand kein Gerät leisten kann?

Dann muss in der Tat etwas getan werden! Für einen zunächst einmaligen Testdurchlauf haben wir uns entschlossen nur SuS mit eigenem Endgerät zuzulassen. Das halte ich durchaus für erträglich. Man weiß schließlich nicht, ob der Test erfolgreich verläuft.

Selbstverständlich ist die BYOD-AG dabei, sich Gedanken zu machen, wie ein sozialer Ausgeich aussehen könnte:
– Finanzierungshilfe durch Förderverein (z.B. 0% Darlehen)
– Anschaffung von Geräte und Ausleihe durch Schule oder Förderverein
– Zuschüsse zur Anschaffung als Arbeitsmittel durch Förderverein, Stadt, Land
– Sammelbestellungen/Leasing-Verträge mit Sonderkonditionen für Bildungseinrichtungen
– Mithilfe durch soziale Einrichtungen z.B. Koblenzer Bürgerstiftung
– Sponsoring durch Firmen / Privatpersonen
Hier sollte m.E. nach Hartz 4 Empfängern und sonstigen unterschieden werden.

Aber vielleicht gibt es in zwei Jahren überhaupt keine SuS mehr ohne digitale Endgeräte?

Eine BYOD-Klasse als Schulprojekt

Für BYOD gibt es unterschiedliche Definitionen: Für einige ist BYOD bereits das gezielte, zeitlich begrenzte Zulassen vorhandener Geräte einiger Schülerinnen und Schülern. Die UNESCO spricht in ihren Policy Guidelines für mobiles Lernen schlicht von¨learners supply their own devices¨ in Abgrenzung von der Bereitstellung von Gerät durch Staat/Institution bzw. Formen der Mischfinanzierung.

Immer ist von Lehrkräften zu hören: ¨Das mache ich doch schon! Meine Schüler dürfen in der Oberstufe natürlich mal mit ihren Handys was googlen oder in der Wikipedia nachschauen. Wozu braucht man denn da noch ein Konzept?¨ Das findet sich so oder so ähnlich auch in einigen Lehrerblogs mit Erfahrungsberichten zum Lernen mit den eigenen digitalen Endgeräten der Lernenden (siehe z.B. hier oder hier).

Trotzdem bietet ein konzeptioneller BYOD-Ansatz in einer Schule ein großes Potential für den eigenen Unterricht, aber auch über diesen hinaus. Dabei liegen die wesentlichen Vorteile von BYOD liegen auf der Hand: Immer mehr Lernende haben tragbare digitale Endgeräte, die oft leistungsfähiger sind als die in den Schulen vorhandenen, schnell veraltenden Computer. Diese zunehmende Eigenaustattung der Schülerinnen und Schüler fällt zusammen mit einer Zeit schnellen technologischen Wandes, der in kurzen Abständen immer höhere Rechnerleistungen und Speicherkapazitäten mit sich bringt, und wohl längerfristig leeren Kassen bei einer Großzahl von Kommunen und Kreisen als Schulträger, die eine angemessene IT-Ausstattung von Schulen weitgehend unmöglich machen.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine Übergangsphase, in der eben noch nicht alle Schüler und noch weniger die Lehrkräfte entsprechende Geräte besitzen. Aktuell liegt die Ausstattung von Jugendlichen mit Smartphones bei statistisch etwas mehr als einem Drittel, wobei das jeder Lehrer aus eigener Anschauung weiß, dass die Zahlen von Klasse zu Klasse und von Schule zu Schule differieren. Aus der eigenen Beobachtung würde ich sagen, dass die jüngeren Schülerinnen und Schüler im Schnitt besser ausgestattet sind als die älteren, was vermutlich den langfristigen Entwicklungstrend aufzeigt.

BYOD als einzelner Lehrer in den eigenen Klassen zu beginnen, ist natürlich eine Möglichkeit, und besser als nichts, aber bietet mehrere Nachteile:

  • In kaum einer Klasse findet sich zur Zeit eine 100%-Eigenausstattung der Schüler. Natürlich reichen oft auch nur einige Geräte, z.B. für die Recherche in Gruppenarbeiten. Diejenigen Schüler mit Smartphone werden dadurch immer wieder herausgehoben, aufgrund ihres Besitzes, was zu Neid und Missgunst innerhalb der Klassengemeinschaft und einem Gefühl der Benachteiligung bei den Lernenden führen kann.
  • Bei der Einführung und Arbeit mit BYOD stellen sich zahlreiche rechtliche und technische Fragen für die es gut ist, die Unterstützung der Schulleitung, der Elternschaft und Zusammenarbeit mit den IT-Veranwortlichen der Schule zu suchen, um z.B. einen Wlan-Zugang für Schüler mit Gerät aber ohne Datenflatrate zu ermöglichen.
  • Manchmal geht es zugegebenermaßen nicht anders und es ist gut als Lehrkraft gemeinsam mit Schülern vorhandene Gestaltungsspielräume auszuloten und zu nutzen. Aber wer solche Veränderungen als Einzelkämpfer nur im eigenen Unterricht ohne den Versuch der Rückkopplung mit der Schulgemeinschaft in Angriff nimmt, läuft Gefahr von den Kollegen, wenn sie nett sind, als skurriler Außenseiter, wenn es weniger gut läuft, als Bedrohung der etablierten Schon- und Arbeitshaltung bzw. als Gefährdung von Schulklima und Schulgemeinschaft wahrgenommen zu werden.

BYOD konzeptionell anzugehen, vielleicht auch zunächst nur mit einer Klasse, macht deshalb Sinn. Eine schulische Strategie ermöglicht die Einbindung aller ¨Stakeholder¨, die dem Einzelnen sonst das Leben schwer machen können. Notwendige rechtliche Regelungen und Anpassungen der technischen Infrastruktur der Schule können so in einem überschaubaren Rahmen entwickelt und ausprobiert werden. Das sind notwendige Vorarbeiten, aus deren Erfahrungen eine planvolle Übertagung auf größere Einheiten erst sinnvoll wird. Als Projekt kann auf diese Weise übergangsweise künstlich eine 100%-Eigenaustattung bei den Lernenden hergestellt werden. In wenigen Jahren wird sich vermutlich nur noch die Frage stellen, wie die wenigen Lernenden ohne Gerät entsprechend ausgestattet werden können – da werden sich ähnliche Unterstützungsmechanismen finden, wie sie aktuell bei Schulbüchern, Klassenfahrten oder Laptopklassen bereits existieren.

Die durch das Projekt hergestellte Vollausstattung in einer Klasse ermöglicht aber auch, und das scheint wesentlich, die Entwicklung und Erprobung neuer Lernszenarien, die die Vielfalt der Geräte und ihrer Funktionen berücksichtigen. Nur so geht der Einsatz der Geräte über die Ad-hoc-Nutzung zum Nachschlagen hinaus. Es lässt sich ein Team aus interessierten Lehrkräften, idealerweise gemeinsam Schulleitungs-, Eltern- und Schülervertretern, bilden, das sich austauscht, das Projekt gemeinsam dokumentiert, die Eingangsphase der ersten Wochen gemeinsam gestaltet und die dabei notwendigen Einführungen und Absprachen mit den Schülern auf verschiedene Unterrichtsfächer und -stunden verteilen. Die Institutionalisierung einer Projektgruppe ermöglicht darüber hinaus auch die Beteiligung von Lehrkräften, die selbst nicht in dieser Modellklasse unterrichten, aber BYOD eigenständig in anderen Klassen in ihren Unterricht bereits ausprobieren oder ausprobieren wollen. Diese Arbeitsgruppe kann dann zu einem zentralen Ort zum Austausch über Unterrichts- und zur Schulentwicklung werden.