Die Regierung, das Internet und BYOD in der Schule

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Nachdem vor nicht allzu langer Zeit das Wort der Kanzlerin vom „Neuland“ noch die Runde machte, entdeckt die Regierung nun nach und nach das Internet. Die Rheinische Post aus Düsseldorf hat dem Anfang der Woche einen ganzen Artikel gewidmet. Das im Zusammenhang mit diesem Blog Interessante: Es geht neben Förderung von Start-Ups und öffentlichem Wlan Artikel vor allem um Bildung.

Nächsten Monat soll ein umfangreiches „Digital-Paket“ beschlossen werden. Unter dem Schlagwort von „Tablets für alle Schüler“ geisterte das bereits vor Wochen durch die Medien. Dass solche Ausstattungsinitiativen nach dem Gießkannenprinzip nicht nur in puncto Nachhaltigkeit problematisch sind, könnte man eigentlich spätestens im Nachgang der Konjunkturpakete sehen. BYOD mit der gezielten Förderung und Unterstützung dort, wo kein Geld für Geräte da sind, wäre eine sinnvolle Alternative, so wie sie u.a. hier und hier im Blog bereits diskutiert wurde.

Nach nun fast einem ganzen Schuljahr BYOD-Klasse mutet mir der Verweis der Autoren auf die Notwendigkeit einer zentralen Software zur Kontrolle der Schüler-Geräte zudem ebenso unnötig wie kurios und praxisfern an. Schließlich geht es ja im Kern auch um das Erlernen eines selbstbestimmten und verantwortlichen Umgang mit dem Gerät. Dafür sind Regeln nötig. Verbote allein helfen dazu weniger. Das zeigen viele Berichte aus Schulen mit einem vollständigen „Handy“-Verbot.

Der Artikel verweist durchaus auf die Möglichkeiten, durch BYOD gezielter Geld zu verteilen und letztlich eine bessere und passgenauere Ausstattung mit weniger Geld bzw. mit anderer Schwerpunktsetzung zu erreichen. Die Gegenrede zum BYOD-Ansatz kommt allerdings leider direkt aus dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium. Obwohl es deutschlandweit viele Tablet-Klassen, aber nur wenig Erfahrungen mit schulischen BYOD-Projekten gibt, wird dieses abgelehnt:

„Das bringt zu viele Schwierigkeiten mit sich“, sagt ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums. Zum einen könne das Gerät nicht ausschließlich den Anforderungen der Schule entsprechend konfiguriert werden, zum anderen könnte es zu „sozialen Spannungen“ in der Klasse führen, wenn manche Schüler das neueste Top-Gerät mitbrächten, andere sich aber überhaupt keines leisten könnten.

Ich finde es schade, dass das hier im Land so gesehen wird. In meinen Augen werden keine Hinderungsgründe genannt. Dass heterogene Geräte sinnvoll im schulischen Unterricht zum Lernen genutzt werden können, zeige die existierenden Projekte. Dass die Schülerinnen und Schüler fast alle ein eigenes Gerät haben, dieses auch mit in die Schule bringen und ihre Geräte miteinander vergleichen, das findet übrigens jeden Tag an jeder Schule nicht nur in Deutschland statt – unabhängig von BYOD-Ansatz oder Handyverbot.

BYOD als Vorbereitung auf die Uni?

Bundesarchiv, Bild 183-48793-0001 / CC-BY-SA

Bundesarchiv, Bild 183-48793-0001 / CC-BY-SA

Christoph Pallaske weist in einer Fußnote zu seinem Beitrag „Medienwandel | Perspektiven für den Geschichtsunterricht | Teil 1 | Das Schulbuch auf der Roten Liste analoger Arten?“ darauf hin, dass an den Universitäten ohne, dass das so benannt würde, de facto BYOD praktiziert wird:

Die Studierenden bringen ihre Geräte mit, die Uni stellt eine Wlan und Beamer die notwendige Infrastruktur.

Wäre also BYOD in der Schule, dann die entsprechende Vorbereitung auf das Arbeiten an der Universität?

Wer sein eigenes Gerät nutzt statt zeitweise zur Verfügung stehender (schulischer) Rechner kann sich eine ganz andere persönliche Lernumgebung (PLE) zusammenstellen und damit dauerhaft arbeiten. Diese PLE kann, sofern sie nicht ausschließlich auf einer institutionell gebundenen Lernplattform besteht, auch nach dem Abitur weiter genutzt und ausgebaut werden. Das Anlegen und Nutzen einer persönlichen Lernumgebung und eines entsprechenden Netzwerks (PLN)  würde demnach zu einer langfristigen Querschnittsaufgabe von Schule und zu einer wesentliche Grundlage für lebenslanges Lernen.

BYOD aus Schülersicht

Beitrag von Justus aus der Klasse 7c

BYOD steht für Bring Your Own Device, also „Bring dein eigenes Gerät mit“. Unter „Gerät“ sind dabei vor allem Tablets zu verstehen, möglich sind aber auch Smartphones und Laptops. Es ist ein wichtiges Ziel des BYOD-Projekts, im Unterricht, für die Hausaufgaben und für die Kommunikation in der Klasse die Möglichkeiten dieser Geräte sinnvoll zu nutzen.

Kurz zur Technik: Das Betriebssystem ist egal, Android, Apple iOS oder Windows, alles geht. Die Hauptsache ist, dass man Programme herunterladen kann. Das sind z.B. Apps wie ein Hausaufgabenheft oder ein Vokabel-Trainer.

Ein kurioses Gerücht über die BYOD-Klasse besagt, dass wir keine Schulbücher hätten. Das stimmt nicht, denn wir haben die gleichen Bücher, Arbeitshefte usw. wie die anderen 7. Klassen auch, und wir benutzen sie auch. Ich wurde auch schon darauf angesprochen, ob man denn in den Pausen spielen darf. Das möchte ich hier mal richtig stellen: Für uns gilt die Handy-Regelung genauso wie für alle anderen Schüler. Wir dürfen die Geräte nur benutzen, wenn die Lehrerin oder der Lehrer uns die Erlaubnis erteilt. Das heißt, wir dürfen nicht zocken oder Musik hören oder irgendetwas anderes, das nichts mit der Schule zu tun hat.

Aber einiges ist bei uns doch anders, hier ein paar Beispiele: Wir benutzen eine Plattform, genannt edmodo. Die funktioniert so ähnlich wie facebook, aber nur die Schüler und Lehrer der Klasse tauschen dort Informationen aus. Manche Lehrer geben uns Informationen über edmodo, z.B. posten sie Links zu interessanten Internet-Seiten. Einige Hausaufgaben schreiben wir nicht in unser Heft, sondern benutzen eine App zum Schreiben oder z.B. für eine Mind Map. Dann posten wir unsere Ergebnisse auf diese Plattform, so dass der Lehrer und die Mitschüler sehen können, was wir gemacht haben. An Stelle eines Taschenrechners benutzen wir unsere Geräte, und für bestimmte Mathe-Aufgaben eine spezielle App.

Wir Schüler nutzen edmodo häufig, um Fragen zu stellen (Was war Hausaufgabe?) oder Dinge zu erklären. Das geht oft besser, als wenn man versucht, seine Mitschüler telefonisch zu erreichen. Auch die Eltern bekommen manchmal Informationen auf diesem Weg.

Leider stoßen wir auf technische Probleme: Zum Herunterladen der Apps und für die Kommunikation braucht man natürlich eine Internet-Verbindung, und wer schon etwas länger auf unserer Schule ist, der weiß, dass dieses Thema bei uns problematisch ist. Bis heute war es leider nicht möglich, ein stabiles Netz für unsere Geräte und das Whiteboard auf die Beine zu stellen. Also muss man zu Hause im WLAN seine Software laden oder man hat einen Vertrag mit Internet-Flat, aber das ist nicht bei jedem der Fall.

Ich hoffe, dass ich die wichtigsten Punkte zu BYOD erklären und ein paar Vorurteile ausräumen konnte.

Unterrichtsreihe zum Alten Ägypten

Im Geschichtsunterricht steht laut Lehrplan nun eine Reihe zum Alten Ägypten an. Hier kann als Grundlage auf eine vor zwei Jahren entwickelte Unterrichtsreihe zurückgegriffen werden. Damals war die Durchführung schwierig, da für jede Stunde ein Computerraum gebucht oder Laptop und Beamer reserviert und mitgebracht werden mussten. Das BYOD-Konzept in Kopplung mit einem IWB im Klassenraum vereinfach die Arbeit nun erheblich, so dass jede Stunde auf digitale Werkzeuge oder online verfügbare Materialien zurückgegriffen werden kann. Organisatorische Fragen rücken in den Hintergrund, so dass eine Konzentration auf didaktische und methodische Fragen möglich ist. Das ist eine der Stärken des BYOD-Ansatzes als schulisches Entwicklungskonzept. Wer sich für die Unterrichtsreihe zum Alten Ägypten interessiert, findet sie hier im Blog mit allen Materialien aufbereitet.

Fremdsprachen: Lese-Diktat

Übungen zum Rechtschreibtraining in den Fremdsprachen gibt es mit vielfältiger Schüleraktivierung gibt es als Lauf- oder Partnerdiktat bereits seit langem. Mit den mobilen Endgeräten der Schülerinnen und Schüler lässt sich dem eine Variante hinzufügen, die ebenso im Klassenraum wie auch zuhause zum selbstständigen Üben von Lesen und Rechschreibung eingesetzt werden kann.

Dabei wird entweder ein aktueller Lehrbuchtext oder frei von den Lernenden ein anderer Text, z.B. aus einer älteren Lektion, ausgewählt. Der Umfang des Diktats mit einer vereinbarten Anzahl von Sätzen wird je nach vorhandener Zeit und Lerngruppe bestimmt. Die Übung läuft dann in den folgenden Schritten ab:

1) Wiederholtes Lesen der Passage (falls im Klassenraum: Möglichkeit bei Lehrkraft bezüglich der Ausprache einzelner Wörter nachzufragen – ggf. Angeben von Satzzeichen in der Fremdsprache)

2) Aufnehmen des Vorlesens der ausgewählten Sätze mit dem eigenen Gerät.

3) Schließen des Buchs, Abhören der Aufnahme (Hinweis auf Pausetaste!) und Aufschreiben des eingesprochenen Textes.

4) Nach Beendigung: Durchsehen des geschriebenen Textes auf Fehler und ggf. Korrektur (zugleich Übungen der Selbstkorrektur eigener Text u.a. für Klassenarbeiten).

5) Abgleich und ggf. Korrektur des Diktattextes mit der Vorlage im Buch.

 

 

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Medien im Geschichtsunterricht

Wollen wir den potentiellen Koalitionären von Union und SPD guten Willen und vielleicht sogar die überraschend gereifte Erkenntnis zugestehen, dass digitalen Medien und insbesondere individuellen mobilen Endgeräten für das Lernen in der heutigen Welt wie für die Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Der Gedanke, dass es sich hier nicht mehr nur um „Empfangsgeräte“ zur „Vermittlung von Inhalten“, sondern um die zentralen „Kulturpartizipationsgeräte“ handelt, scheint mir keineswegs abwegig und unterstreicht ihre Bedeutung.

Selbst wenn man davon absieht, dass es sich bei der Ankündigung vermutlich um nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis handelt, da der „Finanzierungsvorbehalt“ – von vielen in den sozialen Netzwerken schon als (Un-) Wort des Jahres 2014 vorgeschlagen – gleich mit benannt wird, der sich für mich so liest: „Schöne Idee, dafür werden uns viele mögen, aber das machen wir eh nicht.“ Also selbst wenn man davon absieht und guten Willen unterstellt, scheint die groß angekündigte und öffentlichkeitswirksame Ankündigung…

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